CGRP-Antikörper

Speziell für die Migräne­Prophylaxe entwickelt

Wenn Du Migräne hast, weißt Du, wie belastend die Attacken sein können. Die gute Nachricht: Mit den sogenannten CGRP-Antikörpern gibt es Medikamente, die direkt dort ansetzen, wo Migräne entsteht. Sie können die Zahl Deiner Migräne-Tage deutlich reduzieren – auch wenn andere Therapien bisher nicht ausreichend gewirkt haben.1

Für die medikamentöse Behandlung von Patient:innen mit Migräne gab es zwei wichtige Entwicklungen, die besonders hervorzuheben sind:

1993

Einführung
von Triptanen

Seit 1993 können Patient:innen mit einer spezifischen Akuttherapie behandelt werden.

2018

Einführung
von CGRP-Antikörpern

Der erste Antikörper gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide ist seit 2018 verfügbar.

Migräne da behandeln, wo sie anfängt

Es sind noch nicht alle Prozesse, die bei einer Migräne-Attacke im Gehirn ablaufen, vollständig erforscht. Was jedoch bekannt ist: Das sogenannte Migräne-Zentrum, spezielle Gehirnregionen und der große Gesichtsnerv (Trigeminusnerv) sind über Blutgefäße im Gehirn miteinander verbunden. Darüber können Schmerzreize aus dem Gehirn an den Trigeminusnerv weitergeleitet werden. Wird so der Trigeminusnerv aktiviert, wird das Neuropeptid CGRP ausgeschüttet. CGRP wirkt zum einen gefäßerweiternd (vasodilatatorisch) und zum anderen führt es zu Entzündungsreaktion (inflammatorisch) – und zwar in der äußersten Hirnhaut.2,3 Diese sogenannte neurogene Entzündung führt zu den typischen Migräne-Kopfschmerzen.

Untersuchungen haben ergeben, dass Patient:innen mit Migräne erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen.3

Neuropeptide sind Botenstoffe, die von Nervenzellen freigesetzt werden. Sie binden an ihre spezifischen Rezeptoren und lösen so unterschiedliche Reaktionen aus.

Aus der Erkenntnis, dass CGRP eine große Rolle bei der Entstehung der Migräne spielt, resultierte die Entwicklung spezifischer Migräne-Prophylaxen – die sogenannten monoklonalen CGRP-Antikörper.

Monoklonale Antikörper
Antikörper sind wichtige Bestandteile des Immunsystems. Sie sind im Körper dafür da, fremde Substanzen (Antigene) zu „erkennen“ und zu binden. Das basiert auf dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Jeder Antikörper hat eine spezifische Struktur, die nur zu einem bestimmten Antigen passt. Dieses Prinzip wird auch für therapeutische Zwecke genutzt: Ein monoklonaler Antikörper ist ein künstlich hergestellter Antikörper, der gezielt eine einzige Substanz bindet. Dadurch werden Prozesse bzw. Signalwege, an denen die Substanz beteiligt ist, gehemmt oder aktiviert.

Die CGRP-Antikörper haben eine hemmende Wirkung. Dazu binden sie entweder an das CGRP selbst oder blockieren den CGRP-Rezeptor. Dadurch können die entsprechenden Signalwege nicht mehr aktiviert und das Risiko für eine Migräne-Attacke reduziert werden.4

Die meisten CGRP-Antikörper binden an das ausgeschüttete CGRP und
verhindern so, dass das CGRP an seinen Rezeptor binden kann (adaptiert nach 5)

CGRP-spezifische Behandlung für viele Patient:innen möglich

Die Therapie mit CGRP-Antikörpern kann dem Auftreten neuer Migräne-Attacken vorbeugen – auch wenn Du zuvor mit anderen Prophylaktika behandelt wurdest.1 Sie sind für die Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen zugelassen, die mindestens vier Migräne-Tage pro Monat haben.1 In Studien wurde gezeigt, dass die Antikörpertherapie eine gut wirksame Option zur Migräne-Prophylaxe sein kann – zum Beispiel bei Patient:innen, bei denen Akutmedikamente nicht (mehr) ausreichend wirken, oder die einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH) haben.1

Je nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen gibt es für die CGRP-Antikörper zwei Anwendungsoptionen: als Infusion oder subkutan. 
Die sogenannten Gepante werden oral eingenommen.1

CGRP-Antikörper per Infusion

Die Migräne-Prophylaxe mit einem CGRP-Antikörper kann mit einer Infusion erfolgen. Die Infusion wird alle 12 Wochen, also 4x im Jahr, in der Praxis bei Deiner Ärztin oder Deinem Arzt durchgeführt.1

Es gibt auch die Möglichkeit, CGRP-Antikörper subkutan zu verabreichen. Die Injektion erfolgt mit einem speziellen Pen alle 4 Wochen bis alle 3 Monate. Insgesamt sind 12 Injektionen pro Jahr erforderlich.1 Die Pens sind darauf ausgelegt, dass die Patient:innen sie eigenständig anwenden.

Eine weitere Wirkstoffklasse zielt ebenfalls auf CGRP ab:  Gepante. Diese Wirkstoffe sind keine Antikörper, sondern kleine Moleküle, die den CGRP-Rezeptor blockieren. Gepante werden täglich oder jeden 2. Tag oral eingenommen.1

Die Entscheidung, mit welcher CGRP-basierten Migräne-Prophylaxe Du behandelt wirst, trifft Deine behandelnde Ärztin oder Dein behandelnder Arzt mit Dir gemeinsam – unter Berücksichtigung der Lebenssituation, Vorerfahrungen und persönlichen Vorlieben.

Referenzen

  1. Diener H-C. et al. S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“, AWMF-Reg.-Nr. 030/057; Stand: August 2025
  2. Ahmad SR, Rosendale N. Pain Headache 2022;26:505–16
  3. Russel FA et al. Physiol Rev 2014;94(4):1099–142
  4. Schuster NM, Rapoport AM. Nat Rev Neurol 2016;12(11):635–50
  5. Durham PL. N Engl J Med 2004;350(11):1073–5